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Sprachkritik: durchstarten

Ich verwundere mich immer auf das Äußerste, wenn irgendwo dazu aufgerufen wird, durchzustarten. Vor einigen Jahren hatte ich hin und wieder an der SRH-Hochschule in Heidelberg zu tun. Die hatten in ihrem Eingangsbereich ein Transparent aufgehängt, das dazu aufrief, mit einem Studium an dieser Hochschule durchzustarten. Diese Parole scheint ziemlich populär zu sein, wenn “kraftvoll loslegen” gemeint ist. Dass das Bild schief ist, kann man jedoch schon daran erkennen, was eine direkte Übersetzung ins Englische ergibt: Kaum jemand würde mit “Go around now!” werben. Durchstarten ist eines von zwei möglichen Ergebnissen eines Landeanflugs. Das andere Ergebnis ist die erfolgreiche Landung. Klappt das nicht sicher mit der erfolgreichen Landung, wird durchgestartet. Für mich klingt der Aufruf “jetzt durchstarten mit…” immer wie ein Angebot, ein drohendes Scheitern abzuwenden: “Sie kriegen es anderswo nicht gebacken? Jetzt durchstarten mit einem Studium bei…!”

Ich hatte mal das Vergnügen in einem Airbus A321 zu sitzen, der beim Anflug auf Düsseldorf über dem Flughafenzaun (also ganz kurz vor dem Aufsetzen) durchgestartet ist, weil das vorher gelandete Flugzeug im dichten Schneetreiben Probleme hatte, die Bahn freizumachen. Beeindruckend! Man wird, wenn die Triebwerke plötzlich voll aufdrehen, in den Sitz gepresst, dass man nur noch “Oof!” sagen kann! In meinem normalen Leben oder Studium oder Beruf will ich dergleichen aber lieber nicht haben — und würde deshalb mit dieser Floskel auch keine Werbung treiben.